Ist mein Baby bereit für den Buggy?

Dein Baby ist jetzt ein paar Monate alt und bleibt von Tag zu Tag länger wach. Das bedeutet, dass sich die entspannten Ausflüge, zum Beispiel Spaziergänge im Park, langsam dem Ende zuneigen. Dein Kleines wird schließlich immer neugieriger und möchte die Welt um sich herum erkunden.
Die Babywanne, wo er/sie so schön drin lag und süße langen Nickerchen machte ist plötzlich nicht mehr spannend genug. Also fragst du dich wahrscheinlich, ob es nun an der Zeit ist, von auf den Sportwagen bzw. Buggy überzugehen.
Aber keine Eile! Vielleicht ist das noch zu früh für dein Baby!
An diesem Osterwochenende hatte ich die tolle Gelegenheit, mit Dr. Ziegert einen Orthopäden und Experten zu diesem Thema zu interviewen:

Nika: Ab welchem Alter kann man von der Babywanne zum Sportwagen/Buggy wechseln?

Dr. Ziegert: Ab dem Moment, wenn das Baby alleine sitzen kann. Ab wann es das kann, ist unterschiedlich und hängt von der ausreichenden Entwicklung der Muskulatur ab. Es gibt Babys, die mit 4 Monaten sitzen und andere, die auch mit 8 Monaten noch nicht allein sitzen können. Durchschnittlich erfolgt das mit 7-8 Monate, aber ist individuell sehr verschieden und sollte deshalb nicht von den Eltern aktiv beschleunigt werden.

Nika: Wie weiß ich, dass mein Baby bereit für den Sportwagen/Buggy ist?

Dr. Ziegert: Ein Baby kann erst dann wirklich sitzen, wenn es sich allein setzen kann. Dabei ist es also entscheidend, dass das Baby es selbst aktiv macht und nicht hingesetzt wird. Ein Baby durchläuft verschiedene Entwicklungsstufen: den Kopf heben, auf die Arme stützen, drehen, krabbeln und schließlich stehen oder sitzen. Manche Babys stehen auch bevor sie sitzen.

Nika: Welche Folgen hätte es, wenn man zu früh wechselt?

Dr. Ziegert: Wenn die Muskulatur noch nicht richtig ausgebildet ist, sitzen Kinder schief und “rutschen in sich zusammen”. Dadurch kann sich eine falsche Haltung und ein krummer Rücken entwickeln, weil die Knochen und Wirbel der Wirbelsäule in dem Alter noch nicht richtig fest sind. Wenn das Baby dann zu früh im Buggy sitzen muss, ist die Muskulatur also noch nicht stark genug, um die richtige Haltung zu unterstützen. Dadurch sackt das Baby in sich zusammen, weil auch der Kopf noch zu schwer ist. Dadurch können sich Fehlhaltungen und Fehlstellungen bilden. Fehlhaltungen können später durch gezielte Übungen für die Muskulatur wieder korrigiert werden. Fehlstellungen hingegen sind irreversibel, können also später nicht ausgeglichen werden.

Nika: Haben Sie noch andere Tipps und Empfehlungen zu dem Thema?

Dr. Ziegert: Durch Bauchlage werden Kraft und Koordination der Bauchmuskulatur trainiert. Ansonsten empfehle ich flaches Liegen ohne hohes Kopfkissen. Am Anfang sollte das Baby nur kurz in den Buggy gesetzt werden, danach auf den Bauch gelegt werden, damit die Muskulatur nicht überanstrengt wird. Dann kann es nach und nach für eine längere Zeit in den Buggy/Sportwagen gesetzt werden.

Kleiner Exkurs von Dr. Ziegert zum Sitzen:

Babys müssen die körperliche Erfahrung machen, sich selbst zu setzen und auch mal umzufallen. Wenn es dann mit dem Sitzen klappt, erhält das Gehirn eine Erfolgsmeldung und es bildet sich eine motorische Schaltung zwischen den Hirnhälften. Deshalb sollte man die Entwicklungsschritte nicht vorwegnehmen, sondern warten, bis das Baby es selbst macht. Die körperliche Entwicklung ist mit der Gehirnentwicklung gekoppelt (über Erfahrungssammlung). Wenn eine körperliche Erfahrung nicht selbst gemacht wurde, fehlt möglicherweise auch die geistige Entwicklung in dem Bereich und kann nur schwer aufgeholt werden.